Insolvenz
Schwerpunkt

Insolvenzanfechtung

Zahlungen und Sicherheiten aus der Krise chronologisch dokumentieren und rechtlich einordnen.

Unterlagen vorbereiten

Was sollten Sie vor der Prüfung klären?

Beantworten Sie zwei Fragen zu Ihrer Rolle und den vorhandenen Unterlagen. Das Ergebnis nennt fehlende Belege und bereitet die individuelle Prüfung der nächsten Schritte vor.

01 Frage 1

Welche Rolle beschreibt Ihre Situation am besten?

Ihre Angaben

Dokumente geordnet prüfen

01

Zuerst klären, wessen Rechte und Pflichten betroffen sind

Notieren Sie das betroffene Unternehmen, Ihre Rolle, das Aktenzeichen und das gewünschte Ergebnis. Danach lässt sich klären, ob Forderung, Eigentum, Organpflicht oder Erwerb zu prüfen ist.

02

Unterlagen können gezielt rechtlich geprüft werden

Mit geordneten Unterlagen kann die konkrete Rechtsfrage gegen die aktuelle Verfahrenslage und die einschlägigen Normen geprüft werden.

03

Dokumentationslücken zuerst schließen

Sichern Sie Vertrag, Zahlungsbelege, gerichtliche Kundmachung und Kommunikation, bevor Sie eine rechtliche oder wirtschaftliche Entscheidung treffen.

Ein Anfechtungsschreiben macht aus einer früheren Zahlung oder Sicherheit noch keinen geklärten Rückforderungsanspruch. Die Prüfung beginnt beim vollständigen Schreiben und zerlegt danach jede angegriffene Transaktion in Datum, Betrag, Rechtsgrund, Gegenleistung und damalige Informationslage.

§§ 27 und 31 IO bilden wichtige Ausgangspunkte für die materielle Prüfung. § 43 IO betrifft die gerichtliche Geltendmachung. Keine dieser Normen erlaubt eine pauschale Risikoampel oder eine Erfolgsprognose ohne vollständigen Sachverhalt.

1. Schreiben und Verfahrensstand unverändert sichern

Speichern Sie das vollständige Anfechtungsschreiben samt Anlagen, Umschlag oder Zustellnachweis. Halten Sie fest, wer den Anspruch erhebt, auf welches Insolvenzverfahren verwiesen wird und ob bereits ein gerichtliches Schriftstück vorliegt.

Arbeiten Sie zunächst mit einer Kopie. Markierungen, interne Kommentare und eine erste Sachverhaltsdarstellung gehören in eine getrennte Arbeitsakte, damit das Original und seine Metadaten erhalten bleiben.

  • Schreiben, Anlagen und Zustellnachweis
  • Gericht, Aktenzeichen und Insolvenzverwalter
  • Genannte Beträge, Transaktionen und Rechtsgrundlagen

2. Jede Transaktion einzeln zerlegen

Ordnen Sie jede Zahlung, Aufrechnung, Sicherheit oder Vertragsänderung separat. Datum, Betrag, Empfänger, Zahlungsweg und vertraglicher Grund müssen zur Buchhaltung und zum Schreiben passen.

Mehrere Vorgänge dürfen nicht allein deshalb zu einem Gesamtbetrag verschmelzen, weil sie denselben Geschäftspartner betreffen. Unterschiedliche Rechnungen, Leistungszeiträume oder Sicherheiten können unterschiedliche Tatsachenfragen auslösen.

  • Datum, Betrag und Zahlungsweg
  • Vertrag, Rechnung und Leistungszeitraum
  • Art der Befriedigung oder Sicherheit

3. Gegenleistung mit Primärbelegen nachweisen

Legen Sie zu jeder Transaktion offen, welche Lieferung, Leistung, Nutzungsüberlassung oder sonstige Gegenleistung ihr gegenüberstand. Vertrag und Rechnung bilden nur den Anfang. Lieferscheine, Abnahmen, Leistungsprotokolle, Zeiterfassung und Korrespondenz können den tatsächlichen Leistungsaustausch belegen.

Der Nachweis sollte transaktionsbezogen bleiben: Welcher Beleg gehört zu welchem Betrag, und wann wurde die Leistung tatsächlich erbracht? Offene Differenzen werden ausdrücklich markiert, nicht durch eine pauschale Saldierung verdeckt.

4. Damalige Informationslage getrennt rekonstruieren

Für Fragen nach Kenntnis oder Kennenmüssen zählt die Informationslage im Zeitpunkt der jeweiligen Rechtshandlung. Später bekannt gewordene Tatsachen dürfen nicht stillschweigend in die frühere Perspektive zurückprojiziert werden.

Sichern Sie damalige Mahnungen, Ratenbitten, Zahlungszusagen, Jahresabschlüsse, Medienberichte und interne Vermerke mit Datum und Herkunft. Notieren Sie ebenso entlastende Informationen, etwa eingehaltene Zusagen oder nachvollziehbare Erklärungen für Verzögerungen.

  • Was lag am Transaktionstag tatsächlich vor?
  • Wer im Unternehmen hatte welche Information?
  • Welche Information entstand erst später?

5. Prozessuale Reaktion erst nach der Prüfung

Erst wenn Anspruchsschreiben, Transaktionsakte, Gegenleistung und damalige Informationslage zusammengeführt sind, lässt sich eine sachliche Reaktion vorbereiten. Anerkenntnisse, Zahlungen oder umfassende Erklärungen sollten nicht vor dieser Prüfung abgegeben werden.

Erfassen Sie gerichtliche Zustellungen und konkrete Termine gesondert. Lassen Sie den Fristbeginn nach § 43 IO sowie die Erfolgsaussichten des Anspruchs oder der Verteidigung individuell prüfen.

Für die weitere Prüfung

Allgemeine Information zum österreichischen Insolvenzrecht, Stand Juli 2026. Die Beurteilung hängt vom Einzelfall und der aktuellen Verfahrenslage ab.

Häufige Fragen

Was Mandantinnen und Mandanten oft fragen.

Ist jede Zahlung kurz vor Insolvenz anfechtbar? +
Nein. Es müssen die Voraussetzungen eines konkreten Anfechtungstatbestands erfüllt sein. Zeitpunkt allein entscheidet nicht.
Was soll ich nach einem Anfechtungsschreiben sichern? +
Schreiben, Zustellung, Vertrag, Rechnungen, Zahlungsbelege, Gegenleistung und die damalige Kommunikation über die wirtschaftliche Lage.
Gibt der Check eine Risikoampel aus? +
Nein. Er zeigt Dokumentationslücken und empfiehlt bei relevanten Krisenzeichen eine vertiefte Einzelfallprüfung.

Sie möchten eine Forderung, eigene Ware oder eine Entscheidung in der Krise prüfen lassen?

Nennen Sie uns Ihre Rolle, das betroffene Unternehmen und den Verfahrensstand. Wir melden uns innerhalb eines Werktags zurück.

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Anschrift

BRANDAUER Rechtsanwälte GmbH Giselakai 51 5020 Salzburg